NEUES HILFSANGEBOT DES SKF

Paten sollen für „Rückenwind" sorgen

Die alleinerziehende Mutter ist nach Prien gezogen, weil sie hier einen Ganztagsjob in einem Hotel oder einer Klinik gefunden hat. Wenn sie nicht arbeitet, hat sie mit der Betreuung ihrer beiden kleinen Kinder alle Hände voll zu tun. Die Zeit reicht nicht mal mehr für ein paar Stunden in der Woche, in denen sie ohne Nachwuchs einkaufen oder sich um Dinge kümmern kann, die dringend erledigt werden müssen. Diese Situation ist ein typischer Fall für „Rückenwind".
Prien - So heißt ein neues Projekt des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Südostbayern, der in Prien seinen Vereinssitz hat und dessen Einzugsbereich ohne feste Grenzen etwa von Hailfing bis Sachrang und ins Achental reicht.
Schon vor zwei Jahren wurde die Idee geboren, alleinerziehende Mütter und andere Familien, die in irgendeiner Form Hilfe brauchen, durch ehrenamtliche Paten zu unterstützen. Aber um ein solches Netzwerk aufzubauen, braucht es einen Profi und der muss bezahlt werden.
Heuer nun gewährte die Erzdiözese dem SkF eine Anschubfinanzierung, berichtet Geschäftsführerin Iris Hinkel im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die Personalkosten der „Familienpatenschaften Chiemgau", so der offizielle Titel, können damit für zunächst zwei Jahre gedeckt werden.
Der SkF fand bald die Diplomsozialpädagogin Eva Götz-Huber. Die 40-Jährige, die früher unter anderem in der Jugendhilfe tätig war, ist nach der Elternzeit jetzt wieder ins Berufsleben eingestiegen. Weil sie in Wildenwart lebt und selbst Nachwuchs in einer Priener Kinderbetreuungseinrichtung hat, kennt sie die örtlichen Gegebenheiten und Ansprechpartner schon gut. Als Teilzeitkraft wird Götz-Huber das „Rückenwind"-Projekt leiten und koordinieren, Kontakte zwischen Hilfesuchenden und Paten vermitteln. Für spezielle Problemstellungen kann sie auf die Angebote des SkF oder dank eines Netzwerks auf andere Träger in Prien zurückgreifen.
In der Marktgemeinde ist die Zahl alleinerziehender Mütter groß. Stellen in Hôtellerie und Gastronomie so wie Kliniken locken viele Frauen in die Marktgemeinde. Nach dem Umzug hierher haben sie keine oder kaum soziale Kontakte, die Familie ist weit weg, Arbeit und Nachwuchs lassen keine Zeit dafür, Bekanntschaften zu machen und zu pflegen. Schon bei vermeintlich banalen Wünschen stoßen sie an
Grenzen: einmal mit dem Sohn oder der Tochter spazieren oder ins Hallenbad gehen, bei den Hausaufgaben helfen - die zeitlichen Möglichkeiten reichen nicht dafür.
Hier sollen die Paten ein-springen, die der SkF nun für „Rückenwind" sucht. Der Verein hofft nicht nur auf „junge Senioren", die ein paar Stunden in der Woche als Ersatzoma oder -opa einspringen.
Der Bedarf ist da, wissen Renate Braun und Andrea Dirscherl, die beiden SkF-Beraterinnen der Geschäftsstelle, aus ihrer täglichen Praxis. Und der Bedarf steigt stetig.
„Rückenwind" versteht sich als präventives Projekt. Es soll größeren Problemen vorbeugen, „damit das Kind nicht erst in den Brunnen fällt", umschreibt Hinkel. Das Hilfsangebot soll nicht nur Alleinerziehenden zugute kommen. Auch in „normalen" Familien können oft Schwierigkeiten entstehen, die ohne Unterstützung zu einem Berg von Problemen anwachsen.
Die Paten sollen in aller erster Linie praktische Entlastung im Alltag ermöglichen. Sollten Fragen auftauchen, die über das normale Maß der Betreuung hinausgehen, stehen Götz-Huber das SkF-Team und sein Netzwerk im Hintergrund Gewehr bei Fuß.
Bei der Vermittlung zwischen Familien, die Hilfe brauchen und suchen, sowie Paten wird die Sozialpädagogin vor allem darauf achten, dass „die Chemie stimmt", also passende Partnerschaften zusammengeführt werden. Die Paten werden vom SkF natürlich geschult, können zum Beispiel einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen oder sich von Fachleuten Tipps zum Umgang mit der „Trotzphase" eines Kindes holen.


Wer sich unverbindlich über das Patenamt informieren will, kann sich bei der SkF-Geschäftstelle in Prien, Schulstraße 8, Telefon 08051/62110 melden.


Mehr über „Rückenwind" erfahren Interessierte auch bei einem Informationsabend am Donnerstag, 23. Januar, ab 20 Uhr in den Räumen des SkF.

 

Beratungsstelle Prien

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